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Südafrika - Liebe auf den ersten Blick

Diesen Sommer war es endlich soweit, der Flug war gebucht und eine Unterkunft gefunden; somit stand mir nichts mehr im Weg, um mir meine eigene Meinung über Südafrika, die Menschen und natürlich die Projekte zu bilden.

Sobald die Sommerferien begannen, hieß es also für mich Koffer packen und von meiner Familie & Freunden Abschied nehmen. 
Früh am Morgen begann für mich die Reise in mein kleines Abenteuer: Um vier Uhr aufstehen, eine einstündige Fahrt zum Flughafen, nervige Kontrollen und lange Wartezeiten, ein Flug nach Amsterdam und dann endlich direkt nach Kapstadt. 

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Sehr erschöpft, aber auch voller Freude, kam ich dann nachts um zehn in Kapstadt an und obwohl ich wusste, dass Kapstadt sehr modern ist, war ich doch sehr überrascht keinerlei Unterschied zu europäischen oder amerikanischen Flughäfen zu spüren. 

Da  wurde ich auch schon von Jeanne und Harold, eine der drei Familien, mit denen ich den nächsten Monat verbringen sollte, herzlich in Empfang genommen- und wie sich später herausstellte - die mit wohl wunderbarsten Menschen sind, die mir je begegnet waren.

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Das Wochenende verbrachte Jeanne damit, mit mir die Umgebung zu erkunden. Die Landschaft ist wirklich atemberaubend schön und auch sonst gibt es allerhand zu entdecken: Süße Pinguine, Wale, Seerobben, exzellente Restaurants, afrikanische Märkte, riesige Shoppingcenter,und auch die schöne Architektur in den am Meer gelegenen Nachbarschaften ist faszinierend. 

Umso schockierender dazu ist der Kontrast zu den enormen Townships, die sich scheinbar endlos entlang der Highways schlängeln. Man kann keinen Anfang und kein Ende dieser Blechhüttensiedlungen finden und ehrlich gesagt, kann man auch nur schwer in Worte fassen, was man bei ihrem Anblick fühlt. 

Zum größten Teil ist man einfach nur überwältigt und man kann seine Aufmerksamkeit davon nicht abwenden. Zum anderen kam in mir auch ein wenig Wut auf : In Deutschland sind viele Menschen oft so unzufrieden mit dem, was sie haben, und egal wo man ist, überall hört man nur „Deutschland ist schlecht“, „Keine Zukunft für unsere Jugend“, „Deutschland sollte erst einmal sich selbst helfen, bevor es Geld für andere Länder ausgibt“ .

Meiner Meinung nach sollten diese Menschen erst einmal solche Armutsverhältnisse sehen, bevor sie sich ständig beklagen. Solche Armut liegt völlig über unseren Vorstellungskräften. Abgesehen davon, dass die Behausungen kaum größer als zwei Dixi WC`s sind und aus Abfällen bestehen, stehen Krankheiten, Vergewaltigungen, Arbeitslosigkeit, Drogen und Alkoholabhängigkeiten auf der Tagesordnung.

Eine Zukunft für diese Kinder scheint außer Reichweite, vor allem weil sie meist nicht einmal die Schule besuchen können.

Umso schöner finde ich, dass man bei den Projekten von Lebenslinien wirklich das Gefühl hat, den Menschen helfen zu können. 

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So zum Beispiel der kleinen Ortschaft Kylemore bei Stellenbosch. Auch hier herrscht Armut, wie wir sie in Deutschland nicht kennen, aber die ganze Sache gestaltet sich als überschaubar und vor allem durch die Zusammenarbeit mit Einheimischen, wie der Bürgermeisterin „Auntie Eva“, kann man mit etwas Geduld wirklich etwas bewirken und den Menschen Hoffnung schenken. Auntie Eva ist für jede Hilfe mehr als dankbar und steckt nicht nur mit ihrem Leib, sondern auch mit ihrer Seele dahinter, Kylemore vorwärts zu bringen. Sie kennt jeden Bürger und deren Probleme und versucht stets zu helfen oder auch zu ermahnen, wenn etwas aus der Bahn läuft.

Da ich Kinder sehr gerne mag und bereits mein erzieherisches Praktikum für die soziale Fachoberschule in einem Kindergarten absolviert habe, war mir klar, dass ich auch in Kylemores Kindergarten helfen möchte. Das Gebäude und auch der Garten sind, Dank  Lebenslinien e.V., für die dortigen Verhältnisse in einem Top-Zustand. Im Kindergarten sind alle Sanitäranlagen, Küche und Spielsachen im Überfluss vorhanden und doch störte mich etwas sehr. Es dauerte nicht lange und ich konnte genau sagen, was es war – die Erziehung. Alle Erziehungsmethoden, die ich bis jetzt in der Praxis und auch in der Theorie erlernt hatte, liefen darauf hinaus, den Kindern innerhalb eines strukturierten Tagesablaufs Sicherheit und Ordnung zu bieten, um sie in ihren Fähigkeiten zu stärken, sie dazu zu ermutigen, etwas selbst anzupacken und ihnen zu helfen, wenn sie Hilfe benötigen. Auf der anderen Seite ihnen wichtige Regeln im Umgang mit anderen Kindern, Erwachsenen und Gegenständen beizubringen und ihnen klare Grenzen zu setzen. In Kylemore konnte ich zwar einen Tagesablauf ausfindig machen, jedoch handelte es sich bei weitem mehr um eine Versorgungscheckliste: Frühstücken, Zähne putzen, Stühle aufräumen, Mittagsschlaf und Toilette benützen, als um einen wertvoll gestalteten Tagesablauf mit gemeinsamem Singen, Spielen, Basteln oder Geschichten Erzählen. Zum anderen war ich auch vom Verhalten der Kinder und Erzieher schockiert. Zwar verstehe ich kein Afrikaans, aber Gesten sagen oft mehr als Worte, die Kinder vermittelten für mich den Eindruck nie gelernt zu haben, wie man miteinander umgeht, spielt, geschweige denn hat man den anderen respektiert. Sie haben sich gegenseitig geschubst, geschlagen und geärgert, ganz nach dem Motto: Der Stärkste gewinnt. Die Kleinsten wurden oft durchgehend drangsaliert. Da kein Geld für mehr Pflegepersonal vorhanden ist, muss die Kindergärtnerin Auntie Rosie ganz allein mit einer Küchen- und Reinigungshilfe um bis zu 80 Kinder kümmern, da kann man ihr kaum verübeln, dass sie für solche Dinge keine Zeit hat. In erster Linie ist der Kindergarten bei weitem mehr als ein sicherer Ort, in dem die Kinder auch was zu essen bekommen und ein Dach über dem Kopf haben, als ein Kindergarten in dem Sinne, wie wir ihn kennen. Ohne ihn würden sich die meisten dieser Kinder verwahrlost in den Straßen herum treiben  oder alleine daheim zu recht finden müssen, während die Eltern arbeiten oder mit Ihren Drogenproblemen beschäftigt sind. 

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Um den Kindern eine gute Erziehung bieten zu können, reicht es also bei weitem nicht aus, ihnen einfach Bälle, Buntstifte und Spiele zu Gute kommen zu lassen, sondern sie brauchen auch genügend liebevolle Menschen, die sie auf ihrem Weg begleiten und ihnen wichtige Werte vermitteln. 

Dies kann nicht von einem Tag auf den anderen geschehen und umso wichtiger ist es, dass wir uns nicht vor solchen Problemen scheuen, sondern sie tatkräftig unterstützen und ihnen die benötigte Hilfe bieten.